An Mobilitätsbedürfnisse von Kindern, älteren und ärmeren Menschen oder von Frauen wird noch zu wenig gedacht. (Archivbild), © Marijan Murat/dpa
An Mobilitätsbedürfnisse von Kindern, älteren und ärmeren Menschen oder von Frauen wird noch zu wenig gedacht. (Archivbild) Marijan Murat/dpa, dpa
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Nur für Männer gedacht? Wie Mobilität gerechter werden soll

02.04.2025

Ob arm, gebrechlich, jung oder weiblich - was die Fortbewegung in Städten angeht, sind verschiedene Gruppen aus Sicht einer Karlsruher Professorin benachteiligt. «Die Schwächsten sind am schlechtesten gestellt. Viele sind von Transportmitteln ausgeschlossen», sagt Franziska Meinherz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Die Professorin für Stadt- und Mobilitätsgeographie will im Rahmen ihres neuen Lehrstuhls dafür sorgen, dass es in Städten gerechter zugeht.

Der Geschlechtergraben

Ein Problem aus ihrer Sicht: Straßen und Wege, Bahn- und Busverbindungen seien vor allem auf Pendler ausgerichtet; meist Männer, die morgens von Zuhause zur Arbeit fahren und wieder zurück.

Weil die Sorgetätigkeit noch immer ungleich verteilt sei, müssten Frauen dagegen häufig Umwege nehmen. Etwa, wenn sie vor der Arbeit Kinder zur Kita bringen, diese danach abholen und noch in den ein oder anderen Laden müssen. Die Folge laut Meinherz: «Mütter sind von Mobilität viel gestresster als Väter.»

Der gefährliche Schulweg

Besonders für Kinder sei die Stadt ein gefährlicher Ort. Kritisch sind aus Sicht der KIT-Professorin etwa gemeinsam mit Autos genutzte Radwege, unübersichtliche Abbiegestellen, lange Wartezeiten bei Fußgängerampeln, zu kurze Grün-Phasen oder breite Verkehrsschneisen. «Für Kinder ist das Gefahrenpotenzial immens.»

E-Bikes, mehr Bahnen und Busse statt Autos

Nach Meinung der Mobilitätsexpertin nimmt das Auto in Städten noch zu viel Raum ein. Das müsste nicht sein: Viele würden auf das Auto verzichten, wenn es Alternativen gäbe, daran hat Meinherz keine Zweifel. Subventionierte E-Räder könnten ihr zufolge manchen zum Umstieg bewegen. Ein besser ausgebautes Schienennetz sowieso. Wenn Bahnen und Busse öfter fahren und Wege zu Haltestellen verkürzt würden, würden Städte auch sozialer, ist die frühere Schweizer Klima-Aktivistin überzeugt.

Es geht auch um Gebrechliche und Arme

Denn das würde auch Menschen nutzen, die sich kein Auto leisten können, aber oft in schlecht vom ÖPNV angebundenen Vierteln wohnten. Oder denjenigen, die keine weiten Wege mehr zurücklegen könnten oder wegen eines Handicaps nicht mobil seien. Die 33 Jahre alte Professorin weiß, was Menschen bewegt: Im Rahmen ihrer Promotionsarbeit hat sie Städter gefragt, wie sie unterwegs sind und warum. Die meisten hätten das Auto in der Stadt dabei als Ballast empfunden, sagt sie. Schon alleine wegen der Staus.

Vorbild Paris

Dass Städte relativ schnell umgebaut werden könnten, zeigt für sie das Beispiel Paris. In der französischen Hauptstadt sollen künftig hunderte Straßen für Autos gesperrt und begrünt werden. Dafür sprachen sich Bürger bei einer Befragung Ende März aus.

Was in den engen Straßen von Paris geht, müsste aus Sicht von Meinherz in deutschen Städten erst recht gehen. Schließlich seien hier nach dem Krieg Straßen besonders breit gebaut worden. Es sei also viel mehr Platz, um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Oft sind Ampeln zu kurz für Fußgänger auf Grün. (Archivbild), © Felix Hörhager/dpa
Dichter ÖPNV-Takt in der City - aber wie steht es mit den Randbezirken? (Archivild), © Uwe Anspach/dpa
Wegen zu langen Wege zur nächsten Haltestelle präferieren viele das Auto. (Archivbild), © Bernd Weißbrod/dpa
Was im engen Paris geht, müsste hierzulande erst recht gehen, meint KIT-Forscherin Franziska Meinherz. (Archivbild), © Rachel Boßmeyer/dpa
Gute Wege für Rollatoren gibt es nicht überall. (Archivbild), © Marijan Murat/dpa
Bei Umleitungen wird zuerst ans Auto gedacht - aber was ist zum Beispiel mit Rollstuhlfahrern? (Archivbild), © Uwe Anspach/dpa/dpa-tmn
Mütter haben besonders viel zu erledigen in der Stadt - doch nicht alle Orte sind gut für sie erreichbar. (Archivbild), © Annette Riedl/dpa

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